Lebensaufgabe Kultur

 

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Kultur ist der gemeinsame Schatz von Erfahrungen und die Übereinstimmung einer Gruppe von Menschen über die Definition von Begriffen. Wir mögen unter Ehre, Mut, Leidenschaft, Liebe und Tugend etwas anderes verstehen als Menschen eines anderen Kulturkreises. Das Verständnis dieser Begriffe, das auf Jahrtausenden von Erfahrungen und Geschichten beruht, wird in unterschiedlichen Ausdrucksformen der Kultur manifestiert: Darin, welche Musik wir hören, welche Sprache wir sprechen, wie wir wohnen, was wir essen und trinken und vielem mehr.

Je mehr Menschen Verständnis für den Umstand haben, dass es verschiedene Erfahrungsschätze gibt, die unterschiedliche Ausdrucksformen der Kultur grundlegen, desto größer ist die Chance, einander in Frieden zu begegnen und einander zu respektieren. Dadurch wird aus der Unterschiedlichkeit eine Chance für Bereicherung.

Gerade unser Land hat über die Zeitperioden hinweg genau von dieser Unterschiedlichkeit profitiert. Am Schnittpunkt der romanischen, germanischen, slawischen und magyarischen Kulturen gelegen, sind durch die Vielfalt der Völker außergewöhnliche Ausdrucksformen der Kultur möglich geworden. Wir sind allerdings auf dem besten Weg dazu, diesen Vorteil für immer zu verlieren.

Wenn wir es nicht schnell wieder erlernen, uns das Fremde vertraut zu machen, werden wir in einer immer globalisierteren Welt bald nicht mehr in der Lage sein, einander in Frieden und Respekt zu begegnen. Die moralische Verpflichtung, dafür zu wirken, haben wir alle: Wir, die wir hier geboren sind genauso wie diejenigen, die in anderen Erdteilen geboren sind und jetzt hier leben.

Die Fähigkeit, Fremdes zu akzeptieren, ist unmittelbar mit dem Eigenbewusstsein und der Fähigkeit zu kommunizieren verbunden.

Wer nicht weiß, wer er ist und was ihm wichtig ist, kann dies niemandem vermitteln. Wer nicht in der Lage ist zu kommunizieren, kann nicht verstanden werden.

Mit anderen Worten: Wer die Werte unseres Kulturkreises nicht kennt, kann sie nicht wertschätzen, sie daher auch nicht aktiv mitgestalten und in weiterer Folgenicht in der Lage, sie anderen Menschen näherzubringen und für sie einzustehen. Wer eigene Werte nicht schätzt, kann auch nicht verstehen, dass es lohnend ist, die Werte anderer Kulturen genauer kennen zu lernen – und er versäumt die Chance, Bekanntes mit Unbekanntem zu verbinden, um daraus Neues zu generieren – neue Sichtweisen, neue Empfindungen, neue Erkenntnisse, neue Ausdrucksformen der Kultur.

  • Die aktuell zu beobachtende Tendenz der generellen Oberflächlichkeit im Umgang mit unserer Kultur und mit fremden Kulturen, gepaart mit der Radikalisierung der Kultur-Ausdrucksformen (der Sprache, der Musik, des Benehmens), macht mir Angst.
  • Unsere Unfähigkeit, unsere eigene Kultur mit dem ihr zustehenden Selbstbewusstsein zu verteidigen, macht mir Sorge.
  • Die geduldete Geringschätzung unserer Kultur, egal ob durch Menschen unserer oder anderer Nationalität, macht mich traurig.

Aus diesem Grund ist es mir ein zutiefst empfundenes Anliegen, unsere Kultur immer besser zu verstehen, um die Begeisterung dafür im täglichen Tun immer besser vermitteln zu können – um so einen kleinen Beitrag zu leisten, dass wir eine Kulturnation bleiben können, die neue Eindrücke bewusst wahrnimmt, sie wertschätzt und symbiotisch nutzt, um in Frieden und Ruhe mit sich selbst, den Mitmenschen und der Natur leben zu können.